Glaukom (Grüner Star)

Krankheitsbild

Beim Glaukom handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Augenerkrankung, die zu einer zunehmenden Schädigung des Sehnervs und einem Untergang von Sehnervenfasern führt. Typisch und kennzeichnend für das Vorliegen eines Glaukoms ist eine charakteristische Aushöhlung des Sehnervenkopfes, der Austrittsstelle des Sehnerven am Augenhintergrund. In dieser Form ist die Aushöhlung nur bei Glaukom zu finden (d.h. pathognomonisch).

Obwohl ein erhöhter Augeninnendruck der wichtigste Risikofaktor für die Glaukomentstehung ist und durch die augendrucksenkende Behandlung der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst wird, ist ein erhöhter Augendruck weder Teil der Definition des Glaukoms noch darf er mit der Erkrankung Glaukom gleich gesetzt werden.

Als Folge der Sehnervenschädigung entstehen bei Glaukom zunehmende Ausfälle (Skotome) im Gesichtsfeld, typischerweise außerhalb des Fixierpunkts (d.h. außerhalb der Stelle, die direkt angeblickt wird). An den Stellen, die einen Gesichtsfelddefekt aufweisen, ist die Sehwahrnehmung reduziert oder sogar erloschen. Die „Lücken“ im Sehfeld sind den Patienten jedoch zunächst nicht bewusst, da sie vom Gehirn "ausgefüllt" werden (filling-in Phänomen). Die Ausfälle werden zunächst allenfalls indirekt bemerkt, z.B. wenn ein Gegenstand im Gesichtsfeld übersehen wird.

Die Ausfälle können aber bei der Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie) durch den Augenarzt zuverlässig erkannt und genau ausgemessen werden. Anders als bei vielen anderen Augen- und Sehnervenerkrankungen ist also beim Glaukom die Schädigung für den Patienten zunächst fast nicht wahrnehmbar. Sie kann nur durch eine Sehnervenuntersuchung entdeckt und durch gezielte Testung des Gesichtsfeldes dokumentiert und quantifiziert werden.

Das Glaukom ist weltweit die zweithäufigste Erblindungsursache, und zwar sowohl in den Industrienationen als auch in den Entwicklungsländern. Nach fundierten Schätzungen wird es im Jahr 2020 weltweit etwa 11,2 Millionen Glaukom-Blinde und etwa 79,6 Millionen an Glaukom Erkrankte mit Gesichtsfelddefekten geben. Die Häufigkeit des Glaukoms nimmt mit dem Lebensalter zu und beträgt bei > 65 Jährigen ca. 2-4%. In Deutschland kommt es jedes Jahr zu über 1.000 Neuerblindungen durch Glaukom.

Glaukom-Diagnostik

     

  • Ophthalmoskopische Untersuchung der Sehnervenscheibe: Diese dient in erster Linie der Glaukomerkennung. Eine differenzierte Verlaufsbeurteilung ist nur begrenzt möglich.
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  • Augeninnendruckmessung: Diese hat ihre Bedeutung in der Therapiesteuerung, da die Glaukombehandlung immer auch auf einer Absenkung des Augeninnendrucks beruht.
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  • Untersuchung des Gesichtsfelds (Perimetrie) zur Diagnostik und Verlaufsbeurteilung.
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  • Messung der retinalen Nervenfaserdicke mit dem Scanning Laser Polarimeter oder der Optischen Cohärenz Tomographie: Diese dient der Glaukomdiagnostik und der Verlaufsbeurteilung.
Gesichtsfeld-Befund mit Bjerrumskotom

Therapie

Die Therapie des Glaukoms stützt sich im Wesentlichen auf eine Absenkung des Augeninnendrucks durch 

· lokal oder systemisch angewandte Medikamente, 

· durch eine Laserstrahlbehandlung oder 

· durch chirurgische Eingriffe.


In Zusammenarbeit mit Internisten sollten darüber hinaus Risikofaktoren behandelt werden, die die Durchblutung des Sehnervenkopfs beeinträchtigen und die Entstehung von Glaukomschäden begünstigen.

Quelle: Der o.g. Text zitiert in weiten Teilen die Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zur Glaukomvorsorge vom August 2012.